Tor Onion Routing

Tor – Perfektes Tool für anonymes Surfen?

Wer im Netz das Thema anonymes Surfen recherchiert, wird meist schnell Infos zu Tor bzw. dem Tor Browser finden. Oftmals werden die Anleitungen hier gleich sehr technisch, so dass man als Laie nicht viel versteht. Wir wollen daher mit diesem Artikel versuchen, ein paar der wichtigsten Fragen zu Tor zu beantworten:

  • Wie funktioniert Tor?
  • Wie kann ich Tor richtig nutzen?
  • Was ist das Darknet?
  • Was sind die Vor- und Nachteile von Tor vs. VPN?
  • Wie kann ich Tor und VPN am besten Verbinden?

Wir empfehlen dringend, zunächst einen Blick auf unsere vorangegangen Artikel zu werfen, denn auch Tor nützt wenig, wenn dein Betriebssytem unsicher ist oder du die Grundlagen für anonymes Surfen nicht beachtest.

Wie funktioniert Tor?

Tor steht für „The Onion Router“ und funktioniert im Grund ähnlich wie ein VPN: Sämtliche Daten, die deinen Computer über das Tor Netzwerk verlassen oder die du von dort aus empfängst, werden verschlüsselt, deine tatsächliche IP Adresse kann von Websites, die du besuchst, nicht mehr herausgefunden werden. Im Unterschied zu VPN benötigst du bei Tor jedoch keinen Zugang zu einem VPN-Server, denn das Signal wird automatisch über zufällig gewählte Vermittlungsstationen geleitet. Diese sogenannten Tor Nodes werden meist von Freiwilligen betrieben und sind weltweit kostenlos verfügbar. Um zu verhindern, dass eine Tor Node in der Lage ist, ihre Nutzer auszuspionieren, durchlaufen die Daten immer 3 zufällig gewählte Nodes: Die sog. Entry-, Relay- und Exit-Node. Das bedeutet, dass die Exit-Node, von der aus deine Daten den Weg zu Ihrem Ziel im Internet nehmen, nicht die Möglichkeit hat, herauszufinden, woher die Daten usprünglich kamen, denn die Exit-Node weiß lediglich, von welcher Relay-Node sie die Daten erhalten hat. Das dabei genutzte Prinzip der mehreren Schichten von Datenverschlüsselung, wird „Onion-Routing“, also „Zwiebel-Routing“ genannt.

So funktioniert Tor
So funktioniert Tor

Vereinfacht gesagt funktioniert Tor also ähnlich wie eine Hintereinanderschaltung von 3 zufällig gewählten VPN Servern. Dies hat im Vergleich zu einem VPN sowohl Vor- als auch Nachteile, in manchen Fällen macht es sogar Sinn, beide Technologien zu kombinieren.

Wie kann ich Tor richtig nutzen?

Tor zu nutzen ist nicht sehr schwer. Am schnellsten kannst du loslegen, in dem du dir von torproject.org die aktuellste Version des Tor Browsers herunterlädst. Dieser ist eine modifizierte Version von Firefox, die automatische eine Verbindung über Tor herstellt. Sobald du den Tor Browser also installiert und gestartet hast, kann es schon mit dem anonymen Surfen losgehen! Der Browser bedeckt bei den meisten Computersystemen nur etwas die Hälfte des Bildschirmes. Es wird empfohlen, das Fenster nicht größer zu machen, damit eine Website nicht in der Lage ist, deinen Computer anhand seiner Bildschirmauflösung zu identifzieren. Achtung: Bei Nutzung des Tor Browsers wird ausschließlich deine Browserdaten durch Tor geschützt, andere Programme senden weiterhin über die normale, unverschlüsselte Internetverbindung! Alle Daten übers Tor Netzwerk zu schicken ist zwar ebenfalls möglich, die Anleitung dazu würde jedoch den Umfang dieses Artikels sprengen.

Was ist das Darknet?

Als Darknet oder Deep-Web bezeichnet man den Teil des Internets, der nicht öffentlich sichtbar ist. Die Definitionen sind hier nicht ganz klar abgegrenzt, in der Regel meint man damit aber meist Onlinedienste, die ausschließlich übers Tor-Netzwerk erreichbar sind. Das Darknet hat traurige Berühmtheit als Marktplatz für illegalen Drogen- und Waffenhandel erlangt, es gibt allerdings auch eine Vielzahl von sinnvollen Anwendungen. So sind z.b. viele Dissidenten und Whistleblower auf den Schutz des Darknets angewiesen, um sich vor Verfolgung zu schützen. Wer gerne etwas im Darknet stöbern möchte, kann dafür z.b. TORCH nutzen. TORCH ist ausschließlich über das Tor Netzwerk erreichbar, mit einem „normalen“ Browser funktioniert dieser Link also nicht! Achtung: Im Darknet ist immer besondere Vorsicht geboten! Viele Seiten versuchen dich zu Ködern um dir entweder Schadsoftware unterzuschieben oder dich um dein Geld zu betrügen!

Was sind die Vor- und Nachteile von Tor vs. VPN?

Hier lohnt es sich, eine kurze Liste anzulegen:

Vorteile Tor vs. VPN

  • Kostenlos
  • Hohe Sicherheit durch Onion Routing
  • Kein Vertrauen zum VPN Anbieter notwendig
  • Zugang zum Darknet

Vorteile VPN vs. Tor

  • Schnell
  • Land des VPN Servers frei wählbar
  • Gesamter Datenverkehr geschützt
  • Geeignet für P2P Traffic (z.B. Bittorrent)
  • Bei Bedarf Support durch den Anbieter

Die Wahl „Tor oder VPN?“ ist also auch davon abhängig, was man genau vorhat. Ist das Ziel, einen Videostream im Land XY zu nutzen, ist ein VPN die bessere Wahl, denn hier ist die Geschwindigkeit normalerweise konstant hoch und man kann einfach einen Server im passenden Land auswählen. Bei Tor ist die Downloadgeschwindigkeit durch den zufälligen Lauf der Daten oftmals deutlich langsamer, besonders wenn die Verbindung über verschiedene Länder oder sogar Kontinente geleitet wird. Auch das Land, in dem die Exit-Node steht, kann man nicht so einfach auswählen, so dass der gewünschte Stream dann meist nicht zur Verfügung steht. Das VPN schützt zudem automatisch den gesamten Datenverkehr, nicht nur den des Browsers, dies ist zwar auch bei Tor möglich, die Einrichtung ist jedoch nicht ganz einfach. P2P Protkolle wie z.B. Bittorrent umgehen oftmals die Proxyeinstellungen von Tor und enttarnen so ihren Nutzer, daher ist man in Sachen P2P bei einem VPN Anbieter besser aufgehoben.

Wer Zugriff aufs Darknet möchte, muss Tor verwenden. Viele Nutzer misstrauen auch den VPN Anbietern und wähnen sich bei Tor in Sicherheit, allerdings ist die Situation hier nicht ganz so einfach. Bei einer Großzahl der Tor-Nodes ist völlig unklar, wer diese eigentlich betreibt. Zwar wird durchs Onion-Routing eigentlich verhindert, dass ein Node-Betreiber seine Nutzer ausspionieren kann. Betreibt man allerdings viele Nodes gleichzeitig (und das tun offensichtlich viele Institutionen), steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man mit Hilfe der vielen abgefangenen Nutzerdaten in der Lage ist, einzelne Nutzer zu identifzieren. Einige große Geheimdienste stehen im Verdacht, selbst Tor-Nodes zu betreiben, um Nutzer zu deanonymsieren.

Ein Blick auf diese Argumente macht klar, dass eine Verbindung von VPN und Tor sinnvoll sein könnte – und genau darum geht es im folgneden Absatz dieses Artikels.

Wie kann ich Tor und VPN am besten Verbinden?

Nutzt du einen Vertrauenswürdigen VPN Anbieter und gehst über deine VPN Verbindung mit dem Tor Browser ins Netz, kannst du einige der Vorteile beider Technologien kombinieren. Dein Internetprovider oder ein Netzwerkadministrator können dann nicht mehr erkennen, dass du Tor verwendest. Sollte die Tor Verbindung abbrechen oder du an eine böswillige Tor-Node geraten, wäre deine IP Adresse weiterhin geschützt, ein Zugang zum Darknet bleibt möglich.

Besonders gut eignet sich ein solches Setup für den Fall, dass dein VPN Anbieter sich eines Tages als doch nicht vertrauenswürdig erweisen sollte. Speichert und untersucht ein VPN Anbieter deinen Tor-Datenverkehr, so hat er nicht die Möglichkeit zu erkennen, welche Websites du besucht hast und was du dort genau gemacht hast – Ein großes Sicherheitsplus!

Die Kombination eines möglichst vertrauenswürdigen VPN Anbieters mit dem Tor-Netzwerk ist daher unsere absolute Empfehlung für anonymes Surfen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.